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nach dem Kampf war nichts mehr wie vorher. Wir hatten zwei Kameraden verloren. Die Blinkwölfe tobten in unseren Köpfen als schreckliche Gespinste, die jederzeit hinterrücks zupacken können - und uns lautlos in den Fluss der Toten gleiten lassen könnten.

Wir mussten zusammen bleiben, nur so konnten wir uns gegenseitig den Rücken decken. Wir luden unsere teuer erkauften Metallfunde auf und verließen den schaurigen Ort. Durch den Dschungel - über den Fluss und entlang des Skagerrak, möglichst schnell aus dem tödlichen Geäst heraus.

Doch die schwere Last verlangsamte unser Vorankommen. Wir hofften, wenigstens die Hälfte der Strecke zurücklegen zu können, doch wir schafften dies nicht ganz. Erschöpft bauten wir ein Lager auf und entzündeten ein Feuer direkt am Ufer des Skagerrak, unserer Lebensader. Luzifer setzte sich ans Feuer und wagte einen tieferen Blick in die verschlungenen Pfade der Flammenbilder, die dem, der sie zu deuten weiß, Eindrücke aus den Geschehnissen vermitteln können, die sich bisher noch nicht ereignet haben. Es schien, als ob Kala ein Attentat auf Klio, unsere Anführerin, plante. Es schien, als ob er dabei auch Klios Sohn in den Fluss der Toten schicken wollte. Eine dunkle Vorahnung begleitete uns fürderhin auf dem Heimweg.

Des Nachts wurden wir von den Blinkwölfen verschont. Jedoch - schien Luzifer eine gewisse Attraktion auf gewisse Spinnentiere zu entwickeln. Er wurde von einem schweren Stoß aus dem Schlaf gerissen und spürte eine Klinge an seiner Brust. Am anderen Ende der Klinge war Kala, der über Luzifer stand. Es wurde feucht auf der Brust. Als Luzifer alle Sinne beisammen hatte, bemerkte er am spitzen Ende der Klinge etwas Behaartes - nein, nicht sein Brusthaartoupet - da war eine pobackengroße Spinne, aufgespießt auf ebenjene Klinge. Kala warf sie in den Fluss und ordnete Luzifer an, weiter zu schlafen.

Doch daran war nicht mehr zu denken. Luzifer setzte sich ans Feuer. Das war ein ganz schön fettes Vieh. Er machte die ganze Nacht kein Auge mehr zu. Er fühlte sich verfolgt.

Am nächsten Tag kam man noch schlechter vorwärts als davor. Es war nicht abzusehen, noch rechtzeitig vor der Dunkelheit in die Nähe des Dorfes zu kommen. Ein Seitenarm des Skagerrak versperrte uns den Weg und wir mussten uns etwas ausdenken, wie wir den Fluss passieren könnten. Als wir das, mit halben Gedanken bei Kala und seinen Plänen, schließlich geschafft hatten, machten wir nicht weit von diesem Seitenarm erneut Rast unter einem Felsvorsprung.

Diesmal waren sie bereits am späten Abend da. Spinnen. Drei dicke fette häßlich stinkende Spinnen. Sie weckten Luzifer, als sie seinen Bannkreis durchbrachen. Sicherlich waren sie kleiner als die vom Vortag, die mit den widerlichen Haaren bestimmt bestimmt zwei oder gar drei Ellen maß. Keiner wollte Luzifer so richtig ernst nehmen, aber die Spinnen schlichen sich gar unheimlich ums Lager herum. Für Luzifer war kaum an Schlaf zu denken. Die Spinnen kamen gaaaanz langsam, Stück für Stück, ans Lager heran. Für die Anderen erschienen sie kaum als Bedrohung.

Jedoch konnte Luzifer nach einer halben Nacht schließlich erste Erfolge erzielen: Eine, die den Felsüberhang emporgekrabbelt war, traf er mit seinem Stock voll auf die Zwölf - Verzeihung, auf die Acht. Und Körperflüssigkeiten verspritzend fiel sie zu Boden. Eine weitere am Felsüberhang grillte er mit bloßen Händen. Leider blieb von dieser Spinne nichts Nennenswertes mehr übrig. Die dritte Spinne schließlich - diese verkroch sich wieder in den Tiefen des Dschungels. Danach konnte auch Luzifer noch etwas Schlaf bekommen.

Als wir am nächsten Tag weitermarschierten, machten wir eine unbequeme Entdeckung. Es schien, als ob aus dem Dorf Rauch aufstieg. Was war da los? Das Dorf brannte? Wir konnten aber nichts weiter unternehmen als uns und unsere Habseligkeiten weiter in die bekannte Richtung zu schleppen. Immerhin gelangten wir bis an die Fischerhütte, wo wir eine letzte Nacht vor dem Dorf verbringen wollten.

Wir teilten Wachen ein und verteilten uns auf dem ausgebauten, übersichtlichen und jedem von uns bekannten Baum, in dem sich die Fischerhütte befand. Gerade als Efilia ihre Wache ableistete - man muss wohl besser Schnarche sagen, denn für eine Wache hätte man wach sein müssen - und das Feuer am Fuße des Baumes mit frischem Holz versorgte, machte sie eine widerliche Entdeckung: es roch nach Blut. Auf der Suche nach der Ursache entdeckte sie schnell, dass Kala nicht mehr unter uns weilte. Auch er schwamm bereits im Fluss der Toten durch das goldene Tor. Seine eigene Klinge steckte in seiner Kehle und hielt seinen Kopf am Ast, auf dem er schlief - oder zumindest einmal geschlafen hatte.

Efilia weckte den Rest der Gruppe. Für Kala kam jede Hilfe zu spät. Doch - wer zeichnete sich dafür verantwortlich? Wer von uns hat Kala weggeschickt? Wer würde eine solche Tat begehen können?

Schnell war jedem von uns klar, dass jeder von uns sicherlich dazu in der Lage gewesen wäre. Es hatte den Anschein, als ob wir zusammen ohnehin bereits mehr Morde auf dem Gewissen hatten, als alle anderen Bürger des Königreichs zusammen.

War es Efilia, die erfahrene Politikermörderin? Die bereits zahlreiche unerwünschte Gutmenschen in endlosen Schlaf schickte?

Oder war es Servilius, der im Schlachtenblutrausch seine lebenden Gegner mit den Köpfen der toten Gegner bewirft?

War es Meles, die gar voller Habgier unseren Prinzen meuchelte?

Oder Methar, der zu viele gute Waffen an die falschen Assassinen verkaufte, wohl wissend, wofür diese eingesetzt würden?

Oder war es doch Luzifer, der sein ganzes Heimatanwesen niederbrannte und dabei weit über 100 Männer, Frauen und Kinder in den Tod jagte?

Sicher war nur: der Mörder hinterließ eine Spur. Doch sie zu deuten vermochten wir nicht. Wir entschieden kühl, die Sache auf sich beruhen zu lassen und Kala, den Hauptmann der Wache, den Fluten des Skagerrak zu überlassen.